Stellwerk Magazin

Ein Experiment TransLit-Professur 2015

Vorwort

Literaturhaus Köln, 22.10.2015. Fast pünktlich um 11:00 Uhr beginnen Christof Hamann und Anja Lemke, beide Professoren am Institut für deutsche Sprache und Literatur I an der Universität zu Köln, die Pressekonferenz zur ersten TransLit-Professur, welche am kommenden Dienstag mit dem Poetik-Vortrag des Autors Marcel Beyer eröffnet wird. TransLit ist die neu ins Leben gerufene Poetikdozentur des Instituts für deutsche Sprache und Literatur I, die nun im Wintersemester 2015 mit Marcel Beyer beginnt. Als Schnittstelle zwischen Literatur, Wissenschaft und Öffentlichkeit stellt sie eine innovative Plattform für Studierende und Literaturinteressierte dar. Seminare und Workshops begleiten die öffentlichen Veranstaltungen der TransLit-Professur, die sich somit von landesweit üblichen Poetikdozenturen abhebt.

"Nicht noch eine gleiche Poetikdozentur"

Nachdem die Idee einer Poetikdozentur an der Universität zu Köln bereits seit einiger Zeit im Raum stand, war es den Organisatoren wichtig, dass es nicht "noch eine weiter Poetikdozentur" gibt, sondern eine, die sich mit dem Leitfaden "Literatur im medialen Wandel" von den bereits existierenden Poetikdozenturen abhebt: Bei der TransLit geht es also um medial aufgegriffene und digital umgewandelte Texte.

Mit vier kostenfrei zugänglichen Abendveranstaltungen ermöglicht die TransLit einen eigenen Austausch von Wissenschaft, Gegenwartskultur und Öffentlichkeit. Das Format gliedert sich dabei in zwei Teilbereiche: Öffentlicher Raum und universitärer Raum. Das bedeutet zum einen Abendvorträge, zum anderen ein Blockseminar explizit für Studierende der Universität, inklusive einem Workshop-Tag mit Marcel Beyer. Hier bietet sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Schreibfähigkeiten auszubauen und sich mit einem renommierten Autor über seine und über eigene Texte auszutauschen.

Die erste TransLit-Professur

Für beide Organisatoren stand schon früh fest, dass Marcel Beyer der ideale erste Gast für die TransLit-Professur ist. Einerseits fand ein intensiver Transfer seiner Texte in andere Medien statt, andererseits ist er "einer der produktivsten Autoren der Gegenwart", so Prof. Dr. Christof Hamann. So wurde etwa sein Roman "Flughunde" von der Comic-Zeichnerin Ulli Lust – ebenfalls eine der Gäste der Veranstaltungen – zu einer Graphic Novel umgewandelt. Des Weiteren hat Marcel Beyer auch einen sehr engen regionalen Bezug zu Köln: Er verbrachte seine Studienzeit in der Stadt und ist zudem auch Preisträger des Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendiums gewesen. Des Weiteren sind auf der ersten TransLit neben Ulli Lust auch die Hörspiel-Regisseurin Iris Drögekamp und der Komponist Enno Poppe zu Gast.

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Prof. Dr. Christof Hamann und Prof. Dr. Anja Lemke vom IdSL I /Foto: D. Doutch

Die Vorüberlegungen gehen weiter

Obwohl bereits die Planung für die Folgeveranstaltung zur TransLit für das nächste Jahr in vollem Gange ist, bleibt die TransLit erst einmal ein Experiment. Doch jetzt steht schon fest, dass im Herbst 2016 die Professur von der bekannten Autorin Felicitas Hoppe vertreten wird. Über die weitere Zukunft entscheidet die öffentliche Resonanz und Annahme der neuen Poetikdozentur an der Universität zu Köln.

Zudem sprachen die beiden Germanistikprofessoren auf dieser Pressekonferenz eine weitere Zukunftsidee für die Universität an: Ein Studiengang für "Schreiben in Wissenschaft und Praxis". Dieser sei, laut Hamann, zwar bisher nur eine "Vorüberlegung", aber der Master-Studiengang könnte bereits in den nächsten Jahren an der Universität zu Köln eingeführt werden. Hauptziel sei hierbei die Vermittlung von Schreibkompetenzen an die Studierenden mit Hilfe praktischer Übungen mit bekannten Journalisten und renommierten Autoren. Einige der Anwesenden der Pressekonferenz, so auch Peter Henning, Schriftsteller und Journalist, gab bereits seine Zusage, falls diese Idee in die Tat umgesetzt werden sollte.

Neuer berufspraktischer Studiengang in Planung

Das Vorhaben reiht sich in bereits bestehende Bemühungen für einen berufspraktischen Fokus am Institut für deutsche Sprache und Literatur I ein. Es gibt bereits vier große Bausteine, welche den Studierenden Einblicke und erste Erfahrungen im Bereich des Schreibens ermöglichen: Die Ringvorlesung "Germanistik und Beruf", bei der Referenten aus unterschiedlichen Berufsbereichen eingeladen werden und aus ihrem Berufsalltag berichten. Dieses Semester sind unter anderem Oliver Vogel, Programmleiter beim S. Fischer Verlag oder auch Christoph Schröder, freier Literaturkritiker, mit von der Partie. Zudem exisitiert am Institut bereits seit zwei Jahren die Literaturzeitschrift "schliff" und das Kulturmagazin "STELLWERK". Die Printzeitschrift "schliff" nimmt semesterweise die unterschiedlich gelegten inhaltlichen Schwerpunkte der Seminars zum literarischen Schreiben thematisch auf und publiziert literarische Versuche neben literaturwissenschaftliche Beiträge. Die Literaturzeitschrift versteht sich dabei als ein eigenständiges Publikationsorgan, in dem NachwuchsschriftstellerInnen und angehende LiteraturwissenschaftlerInnen in unmittelbarem Austausch mit renommierten SchriftstellerInnen und etablierten ForscherInnen stehen. Das Onlinemagazin "STELLWERK" bietet Studierenden eine Plattform, um erste journalistische Erfahrungen zu sammeln und um die Brücke zu schlagen zwischen universitärem Alltag und kulturellem Leben der Stadt.

Foto: Frank Höhler

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